In den bisherigen Artikeln unserer Serie zu den Versprechen der Cloud-Anbieter fanden wir immer dasselbe Muster: Ein vollmundige Aussage, die stimmt, aber die Wirklichkeit im Unternehmen nur teilweise abbildet. Das aus unserer Sicht stärkste Argument für Cloud Computing steht eher etwas im Hintergrund: Die Cloud bietet reichlich Möglichkeiten zur Innovation. Das liegt an den Eigenschaften, die Cloud Computing per definitionem mitbringt. Den größten Einfluss haben Verfügbarkeit und breite Zugänglichkeit – davon profitieren sowohl die Anbieter von Cloud-Services als auch die Nutzerunternehmen.
- Cloud-Infrastruktur erleichtert das Testen. Testumgebungen sind (fast) auf Knopfdruck verfügbar. Nach Bedarf können sowohl Anbieter- als auch Nutzerunternehmen ohne große Hürden Testszenarien auf-, aus- und gegebenenfalls wieder abbauen. (Wenn Sie das Thema „Flexibilität“ vertiefen wollen, lesen Sie gern unseren Artikel Wie flexibel macht „die Cloud“? Oder: Lob der Mengenflexibilität.) Das lädt geradezu zum Ausprobieren ein.
- Cloud-Infrastruktur bietet eine leicht zugängliche Basis für neue Geschäftsideen.
ad1) Aus Anbietersicht liefert „die Cloud“ eine Infrastruktur, auf der sie Services pilotieren und bereitstellen können. Zusammen mit dem Konzept des „Minimal Marketable Product“ – also eines Produktes, das Kundenbedürfnisse zunächst nur mit Kern-Features erfüllt – erleichtert „die Cloud“ den Zugang zum Markt. Es ist nicht mehr nötig, Nutzerunternehmen zu überzeugen, dass sie bei sich Infrastruktur aufbauen, um das Produkt auszuprobieren. Wenn die Idee trägt, baut der Anbieter ein solches Produkt über die Zeit aus.
ad 2) „Die Cloud“ ermöglicht auch Nutzerunternehmen, neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Sie hatten bisher keinen direkten Zugang zu Ihren Endkunden, da Sie Ihre Produkte über ein Händlernetz vertreiben? Dank Cloud können Sie viel einfacher eine Plattform schaffen, auf der Sie mit Ihren Kunden interagieren können. (Weitere Beispiele finden Sie in unserem Artikel Kommen Sie Ihrem (End-)Kunden näher – durch die Cloud.) - „Die Cloud“ bildet ein Ökosystem, in dem richtig viel passiert. Manche großen Anbieterunternehmen setzen zum Beispiel Quasi-Standards, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die Kreativität anregen. Denken Sie zum Beispiel an Adobe’s Format PDF[1], an Microsoft’s Excel oder an Unternehmenssoftware wie SAP oder SalesForce. Diese Standards bilden Kristallisationspunkte für Zusatzfunktionalität: Dank „der Cloud“ können kleinere Anbieter Add-Ons schaffen und vermarkten. Unser Lieblingsbeispiel: der AppExchange Store von SalesForce, in dem Nutzerunternehmen branchen- oder funktionsspezifische Erweiterungen finden. Und selbst die großen Anbieter kümmern sich um Interoperabilität; unser Lieblingsbeispiel: Kalenderintegration zwischen der Apple- und der Microsoft-Welt. Nehmen Sie als Nutzerunternehmen an diesem lebendigen Markt teil, um innovative Elemente in Ihre bestehenden Geschäftsprozesse zu bringen!
- Provokativ formuliert: Ständige Updates verhindern das Einrosten. Haben Sie schon vom „Evergreen-Ansatz“ gehört? Dabei werden mit hoher Frequenz kleine, iterative Anpassungen vorgenommen. Sicher kennen Sie das von den Apps auf Ihrem Smartphone, genauso läuft es bei Software-as-a-Service-Lösungen. Das Thema ist womöglich einen eigenen Artikel wert, denn wie alle Verfahrensweisen hat auch diese ihre Vor- und Nachteile. In einem Artikel über Innovation verdient sich das Evergreen-Konzept seine Erwähnung gleich doppelt: Wegen der „Mikro-Innovationen“, die es den Nutzern beschert, und weil es eine entsprechende Einstellung erfordert: die Bereitschaft, sich den ständigen Veränderungen zu stellen. Eine Einstellung, die Innovation fördert
Mit einem schiefen Bild gesagt: „Die Cloud“ bildet einen Nährboden für Innovationen – und trotz der „wolkigen“ Basis geht es keineswegs um Luftschlösser, sondern um handfeste Neuerungen für Ihre eigenen Geschäftsprozesse.
In unseren Augen ist dies der beste Grund für den Einsatz von Cloud Computing. Wir fragten uns, warum er neben den drei Hauptargumenten etwas in den Hintergrund tritt. Bei diesen Hauptargumenten – also Kosteneinsparungen, Mengenflexibilität (Skalierbarkeit) und Auslagern von Tätigkeiten – geht die Erzählung der Cloud-Anbieter simpel so: Tausche Sorgen gegen Geld. Beim Thema Innovation hingegen funktioniert das nicht – und jede:r weiß, dass es Innovation nicht zu kaufen gibt. In Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Karl Valentin bleibt festzuhalten: IT ist schön, macht aber viel Arbeit.
Erkenntnis zum Mitnehmen: „Die Cloud“ schafft ein innovationsfreundliches Umfeld für Ihre IT. Wenn Sie sich darauf einlassen, bringt Ihnen das mehr als Einsparungen. Wenn Sie Ihr Geschäft immer wieder neu erfinden wollen, nimmt Ihnen das zwar keiner ab, mit Cloud-Services ist es aber einfacher als ohne. Sie finden Ihren eigenen Weg. Eben IT Your Way! (cdf)
[1] PDF (Portable Document Format) ist mittlerweile übrigens ein ISO-Standard. Wer’s nachlesen möchte: PDF 2.0 (ISO 32000-2:2020)
